Käse, Yaks und Stille
Die Unterkunft in Kyanjin Gompa war toll, das Essen schmackhaft und die Betreiber, ein junges Paar, zurückhaltend, aber freundlich. Morgens bekam ich meinen geliebten Tsampa Porridge serviert und abends leckeres Dal Bhat mit Tibetian Tea, wie fast überall während des Trekkings.
Vom meinem Fenster hatte man einen Überblick aufs Dorf und der Gangchempo winkte vom Talschluss. Es war eiskalt schön hier oben, die Daunenjacke blieb den ganzen Tag meine wärmende Begleitung. Nur nachts im Schlafsack zog ich sie aus, dann wärmte mich die mit heißem Wasser gefüllte Stahltrinkflasche.
Kyanjin Gompa liegt auf knapp 3.900 m, ich hatte vergessen, wie mühsam das Atmen in dieser Höhe wird. Deshalb ließen wir es gemütlich angehen, ich hatte auch keine Ambitionen, auf einen der fast 5000er Hügel zu steigen, beide hatte ich 2012 erklommen, die Aussicht war mir noch bestens in Erinnerung.
Neugierig war ich auf den Weg Richtung Talschluss und Yala Peak Basecamp, auf dem nicht so viel Höhenmeter zu bewältigen sind.
Wir wanderten durch zahlreiche Yakherden, gesäumt von Sechstausendern, durch ein breites Tal Richtung Langshisa Kharka (ca. 4100 m), der hintersten Sommerhochalm des Langtang und Basislager für die Besteigung vieler der umliegenden Sechs- und Siebentausender.
Inzwischen warf meine Nase Blasen, aufgrund der Kälte unterschätzte hatte vorher die UV-Strahlung unterschätzt und mein Gesicht nicht mit Sonnencreme eingeschmiert. Die nächsten Tage ging ich nur noch mit Gesichtsverhüllung an die Sonne.
Wieder zurück im Dorf wollten wir die Käserei besuchen, doch leider war niemand da.
Am nächsten Morgen traf ich den jungen Mann aus Ravensburg wieder, der uns schon im Aufstieg begegnet war. Er verkündete die frohe Botschaft, dass der Käsemann heute da sei und die Käserei offen. Wir machten uns gleich auf die Socken. Der Yak-Käse hier oben wird nach Schweizer Art produziert, schmeckt köstlich und hat eine Konsistenz ähnlich wie Parmesan. Wie ich später erfuhr, wurde die Käserei 1955 von dem Schweizer Molkereispezialisten Werner Schulthess gegründet.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schickte Schulthess Anfang der 1950er Jahre nach Nepal. Seine Aufgabe bestand darin, eine profitable Lösung für die überschüssige Milch in abgelegenen Bergregionen zu finden.
Saili hatte Kopfschmerzen und fühlte sich unwohl, so machte ich mich mit Tiljung auf den etwas abenteuerlichen, aber kurzen Weg zum Gletschersee.
Der See wird vom Langtang Lirung Gletscher gespeist und befindet sich abgelegen oberhalb des Dorfes, am Weg zum Langtang Lirung Basecamp.
Er wir von den Gipfeln der Berge Langtang Lirung, Changbu und Langtang Yubra gerahmt
Ein wunderbarer Platz zum Verweilen, hätte nicht frostiger Wind geblasen und uns zu wärmender Bewegung gedrängt. An manchen Stellen des Ufers hat sich Sandstrand gebildet, erst dachten wir es sei Dampf, doch der starke Wind wirbelte kleine Sandstürme auf. Es gluckerte, knarzte und dröhnte, fasziniert lauschten wir den mystischen Tönen, in denen der eisbedeckte See mit uns sprach.
Trotz der Kälte ließen wir die einmalige Atmosphäre lange auf uns wirken, bevor wir mit einem Abstecher zum geschlossenen Kloster wieder ins Dorf abstiegen.

































