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Tour

Jöriflesspass (2.561 m)

Zu den Jöriseen von hinten

Um nicht immer über den gleichen Pass zu fahren und der Langeweile vorzubeugen, fahre ich zur Abwechslung mal den Flüelapass hinauf. Auch am Flüelapass ist es bei derzeitiger Hitze angenehm kühl, was ich sehr genieße. Oben am Pass ist nix los, viel weniger Verkehr als am Julier, auch das genieße ich und freue mich auf eine wunderbare kühle und ruhige Nacht unterm Sternenzelt.
In der Frühe werde ich geweckt durch Angler, die neben mir parkieren und ihr Glück am nahen See suchen.

Für den heißersehnten Morgenkaffee aktiviere ich meinen uralten Trangia-Kocher, der genauso lange zum Wasserkochen braucht, wie ich zum Wachwerden. Wir sind ein eingespieltes Team.
Ein Sprinter mit bezopftem jungen Mann und zotteligem altem Hund hält zeitgleich beim Aufbrühen des Kaffees neben mir.
Wir kommen über den Kocher ins Gespräch und reden und reden, über Portugal, und reden, über die Schweiz, und reden, über die Welt, und reden, über das Leben, und reden und reden. Seelenverwandte finden sich, am Pass, in der Wildnis, im Flieger.
Eigentlich wollte ich ich schon längst auf dem Weg sein, doch das Leben ist das was passiert, während wir dabei sind, andere Pläne zu machen. Ganze wunderbare 3 Stunden Austausch mit Achaz aus München, dann gehen wir wieder unseres Weges.
Von der Bushaltestelle Röven geht es los, hinauf zu den Jöriseen. Vor Jahren ging ich den Weg in umgekehrter Richtung, erinnere aber nicht viel, abwärts kam mir der Weg weniger steil vor, als nun im Aufstieg.. Keiner Menschenseele begegne ich auf der ganzen Route, wenige harmlose Schneefelder sind zu queren – wie herrlich!
Der Weg zieht sich, immer wieder wähne ich mich kurz vor dem Pass, aber dann kommt noch ein Aufstieg und noch einer. Doch irgendwann stehe ich am Pass und schaue auf die noch teilweise zugefrorenen Seen hinab. Es liegt noch viel Schnee im Flüelatal, über die Wagenlücke und die Jöriflüelafurgga scheinen sich noch keine Wanderer zu wagen.
Lange genieße ich diese Einsamkeit und Stille, lasse die morgendliche Begegnung mit Achaz nachhallen und bin einfach sehr glücklich.
Es fällt mir schwer, mich von diesem Ort zu trennen, hätte ich nur einen Schlafsack mitgenommen.
Irgendwann siegt die Vernunft und ich mache mich an den Abstieg auf gleichem Weg.
Danach fahre ich nach S-chanf und finde einen top Übernachtungsplatz, von dem ich am nächsten Morgen gleich ins Val Truptchun loswandern kann.