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Nepal Tour Trekking

Auf nach Langtang

Der Kreis schließt sich

Lange brütete ich über einer möglichen Tour, deren Beginn, dem Zeitablauf und der in Frage kommenden Region.
Ursprünglich war November 2024 geplant, dann kam die Krankheit dazwischen. Ob ich es überhaupt nochmal nach Nepal schaffen würde und konditionell eine Trekkingtour möglich wäre, stand erst mal in den Sternen. Nach der Therapie fing ich langsam mit kleinen Wanderungen an, die ich allmählich steigerte, um die Kondition wieder aufzubauen. Als dann gegen Jahresende Pflichttermine weniger wurden und noch 4 Wochen Resturlaub verfügbar waren, konkretisierte sich die Planung. Um die Hauptsaison und die überlaufenen Wege zu umgehen, sollte es im Dezember losgehen.

Das Wehklagen der Kinder und Kindeskinder über meine Weihnachtsabsenz bremste mich aus. Also dann über den Jahreswechsel und im Januar. Rasch den Urlaub neu terminiert, mich mit meinen Nepali abgestimmt, Flug gebucht, alles andere wollten wir vor Ort, nach Wetterlage und zeitlicher Machbarkeit entscheiden.
Das Khumbu und die hohen Pässe kamen wegen der tiefen Temperaturen und anderer Unwägbarkeiten nicht in Frage, blieben noch Annapurna Basecamp und Langtang. Der Weg zum ABC verläuft lange im Schatten, wo es im Winter sehr kalt wird, blieb Langtang übrig.
Dies war meine erste Tour im Jahr 2012 in Nepal, vielleicht nun auch meine letzte Abschiedstour.

Mit einem Minibus fuhren wir von Kathmandu nach Syabrubesi, dank der Schlaglochpiste war die Po-Massage inklusive. Am Anfang der Fahrt waren wir 3 Passagiere, am Ende füllten den 8-Sitzer zusätzlich 10 nepalesische Frauen. Das war ein Giggeln, Gelächter und Geschnatter, hätte auch ein Stall voll Gänse & Hühner sein können.

Am nächsten Morgen kamen wir aus dem Trubel endlich raus und machten uns auf den Weg. Tiljung Superman sagte, wo es lang geht, Saili Superwoman trug einen Teil meines Gepäcks und ich Oldie freute mich.
Die Brücke in Syabru hatte ich noch gut von der ersten Tour in Erinnerung, der anschließenden Trail-Verlauf war nur noch schemenhaft in meinem Gedächtnis. Nach der Brücke nahmen wir aber nicht die schattige Hauptroute am Fluss entlang, sondern folgten im steilen Aufstieg dem meist sonnigen Höhenweg nach Sharpagaon.
Nach dem Frühstück ging’s erst bergab nach Riverside und in 2 weiteren Tagen durch das Langtang Valley hinauf nach Kyanjin Gompa.
Wir tanzten uns jeden Morgen erst mal mit Freude in den Tag und wärmten so unsere Glieder für die nächste Etappe
In der ersten Lodge traf ich einen Schotten ohne Rock und ohne Lust, weiter bergauf zu gehen. Eine Lodge weiter beim Dal Bhat ein deutsches Mädel, das erste mal in Nepal und etwas unschlüssig. Auf dem Trail wanderten relativ viele junge Nepali, Frauen und Männer, einzeln und in Gruppen. Das kannte ich so nicht von früheren Touren.
In Langtang, dem Dorf, welches beim großen Erdbeben 2015 ausradiert und danach etwas weiter oben wieder aufgebaut wurde, traf ich Nima wieder.
Am 7000er Langtang Lirung löste sich damals eine Lawine und zerstörte das Dorf fast vollständig. Nur ein Haus blieb stehen. Dabei wurden 243 Menschen von Geröll, Fels und Eis 40 Meter tief begraben, ganze Familien wurden ausgelöscht. Auch die von Nima.
Als ich abends in der Lodge mit dem Betreiber Nima über Buddha, Reisen und die Welt plauderte, erzählte er mir, dass er schon oft in der Schweiz war und im Sommer 2013 bei seinem Freund Claudio auf dem Piz Languard verbrachte.
2013 war ich auf dem Piz Languard im Engadin, der Hüttenwart Claudio hatte einen nepalesischen Freund, Nima, der ihm in den Sommermonaten half. Ich machte damals ein paar Bilder von ihm.
Ich zeigte ihm die Bilder von meiner Website…und er war es tatsächlich!
Was für ein erfreulicher Zufall!

Das einzig wahre Hardrock Cafe weiter oben stand genau so, wie ich es in Erinnerung hatte – ein Fels im Gebirg. Es wurde zum Glück auch beim Erdbeben vor Zerstörung verschont.

Wintertrekking hat eine ganz eigene Faszination, nachts wird es sehr kalt, bis -16°C sank das Thermometer, fast keine Touristen sind unterwegs.
Meistens waren wir die einzigen Gäste in der Unterkunft. Ich liebe die Stille.
Abends saßen wir mit den Einheimischen um den Ofen, erzählten Geschichten, lachten über das Leben oder genossen still die Wärme.
Das Dal Bhat schmeckte überraschend köstlich, es wird außerhalb der Saison sorgfältiger zubereitet, erzählte man mir.

Kyanjin Gompa, das höchste Dorf im Langtang, ist gewachsen, kaum erkannte ich es wieder. In der ersten Lodge bezogen wir für die nächsten Tage Quartier. Ein schöner Platz, friedlich von der Sonne verwöhnt.